Heute
ging es weiter auf dem Highway. In ungefähr 50 km Abstand
passierten
wir die
Bungles Bungles. Einen Besuch dort per Fahrzeug hatten wir inzwischen
abgeschrieben. Rundflüge sollte es so ziemlich von
überall aus geben,
aber was
wir da so auf den Landeplätzen herumstehen sahen, weckte nicht
unbedingt unser
Vertrauen. Wir hofften, dass die reichliche und bunte Werbung von
Alligator Air
in Kununnurra – unserem heutigen Tagesziel – hielt,
was sie versprach.
Vorher
steuerten wir jedoch erst einmal das Ende des
Great Northern Highway in Wyndham an. An einer viel
versprechenden
Aussicht über den Cambridge Gulf und das
Mündungsgebiet von 5 Flüssen
sollte
der nächste Cache verborgen sein.
Der
Aussichtspunkt war wirklich
großartig,
die Sicht leider ziemlich eingetrübt und um an den Cache zu
gelangen,
wäre eine
ziemlich gefährliche Kletterei notwendig gewesen, also
verzichteten wir
lieber,
rollten mit dem letzten Tropfen Diesel wieder hinab nach Wyndham, wo
wir
endlich eine ordentliche Tankstelle fanden. Hier gab es
freundlicherweise auch
Eis, welches wir uns zur dringend notwendigen Abkühlung
schmecken
ließen.
Nun
waren es nur noch knapp 100 km bis Kununnurra, die wir schnell hinter
uns
brachten. Am Ortseingang überquerten wir einen gewaltigen, von
1961-64
errichteten Damm, der den Ord River anstaut.
So
konnte sich hier das
wirklich
reizende Städtchen Kunnunrra entwickeln. Unser Zimmer hatten
wir im
vornehmen
Country Club Motel gemietet. Man war nicht gerade begeistert
über
unsere
vorausbezahlten Gutscheine, die Managerin beschwerte sich: “
Sie
bezahlen
Monate vor ihrer Reise und wir warten manchmal noch 6 Monate, bevor die
uns
unser Geld überweisen“. Tat mir ja auch schrecklich
leid...(Anmerkung
Januar 07: Inzwischen gehört das Hotel nicht mehr zur Best
Western
Gruppe)
Das
Zimmer war perfekt, mit vollautomatischer Klimaanlage und allem
Zubehör.
Nachdem
wir uns frisch gemacht hatten, machten wir uns auf den Weg zu Alligator
Air und
erlebten eine Enttäuschung: für den nächsten
Tag waren alle Flüge
ausgebucht.
Zum Glück gab es gleich nebenan auf dem
verhältnismäßig großen
„Flughafen“ noch
die Firma Slingair. Hier konnten wir uns sogar aussuchen, ob wir mit
einem
kleinen Flugzeug für 5 Passagiere oder einer Cessna Grand
Caravan mit
13 Sitzen
fliegen wollten. Wir entschieden uns für die kleine Maschine,
bezahlten
(nur
wenig mehr als bei Alligator Air) und verabschiedeten uns bis zum
nächsten
Morgen.
Rechtzeitig
vor dem Abflug um 9 Uhr, fanden wir uns mit ziemlich vielen anderen
Leuten bei
Slingair ein. Wir wurden freundlich begrüßt,
erhielten jeder eine
Broschüre
über unsere
Flugroute in englisch und
deutsch, sowie eine Flache Mineralwasser und eine Handvoll
„Minties“.
Ein
junger Mann erzählte uns noch die üblichen
Sicherheitshinweise und
einige
allgemeine Sachen zum bevorstehenden Flug, dann durften wir und ein
australisches Ehepaar ihm zum Flugzeug folgen. Die Plätze
wurden nach
Gewicht
und Körpergröße verteilt. Also
saß das schwergewichtige Ehepaar auf der
mittleren Reihe, Elke und Tina ganz hinten und ich erhielt meinen
Wunschplatz
neben dem Piloten. Jeder bekam ein paar Kopfhörer verpasst,
über die
der Pilot
uns unterwegs seine reichhaltigen Erklärungen lieferte.
Tüten für den
Fall von
Reiseübelkeit waren ebenfalls vorhanden und wurden erst einmal
belächelt.
Dann
rollten wir los und reihten uns in die Warteschlange an der Startbahn
ein. Im
30-Sekunden-Takt starteten jetzt die kleinen und nicht ganz so kleinen
Maschinen von 3 verschiedenen Fluggesellschaften. Bald waren auch wir
an der
Reihe und flogen in einem Bogen über Kunnunurra und seine
grüne
Umgebung in
Richtung Süden.
Dann
tauchte vor uns der gewaltige Lake Argyle auf.
Dieser
Stausee wurde Anfang der Siebziger Jahre errichtet, um eine
kontinuierliche
Wasserversorgung in den umliegenden Farmen und Siedlungen zu
ermöglichen. Beim
geringsten Wasserstand, also am Ende der trockenen Jahreszeit, ist er
mit einer
Fläche von ungefähr 1000 km²
ungefähr doppelt so groß wie der Bodensee.
Wenn
der maximale Wasserstand erreicht wird, was bisher allerdings erst
einmal (1973
- gleich nach seiner Fertigstellung) der Fall war, verdoppelt sich
seine
Fläche.
Natürlich
ist der See auch ein beliebtes (Bade-)Ausflugsziel und Fischzucht wird
mit
wechselndem Erfolg ebenfalls betrieben.
Wir
flogen weiter über die karge Landschaft, überquerten
die riesige Texas
Downs
Ranch und erreichten schließlich die berühmten
Bienkorb-förmigen Felsen
der
Bungles Bungles. Sie erstrecken sich über eine Fläche
von 450 km², fast
halb so
viel wie die gesamte Stadt Berlin. Am Boden führt nur eine
sehr schwer
und
damit langsam befahrbare Piste hierher.
Es
war ein faszinierender, großartiger Anblick, der von der
inzwischen
aufgekommenen Übelkeit nur wenig beeinträchtigt
wurde. Wir kreisten
über immer
schöneren und abenteuerlicheren Felsen. Man müsste
eigentlich viel mehr
Zeit
haben, um sich diese Gegend auch vom Boden aus anzusehen, allerdings
kann ich
mir vorstellen, dass sich die volle Schönheit wirklich nur aus
der Luft
erschließt, da man am Boden ja nur ein
eingeschränktes Sichtfeld hat
und man
nicht wahllos auf den Felsen herumklettern kann.
Dann
drehte sich die Nase des Flugzeugs nordwärts und wir flogen
zurück in
Richtung
Kununurra. Dabei überquerten wir noch die Argyle Diamond Mine.
Das ist
die
derzeit wohl größte produzierende Diamantmine der
Welt. 1999 machten
die hier
abgebauten Rohdiamanten ungefähr ein Drittel der
Weltproduktion aus.
Nur 5% der
Diamanten besitzen wirklich Edelsteinqualität, immerhin noch
45%
Halbedelsteinqualität, der Rest sind Industriediamanten.
Nach
gut 2 Stunden landeten wir wieder in Kununnurra. Das war gut so, sonst
hätte
ich womöglich doch noch die Papiertüte benutzen
müssen. Wir hatten zwar
genügend Medizin gegen Reiseübelkeit bei uns, nur
leider befand die
sich in
Elkes Rucksack und war somit 2 Reihen hinter mir, unerreichbar
für
mich, denn
eine Kommunikation untereinander war in der kleinen, lauten Maschine
praktisch
nicht möglich.
Trotzdem war dieser Rundflug einer der Höhepunkte unserer Reise.
Nachdem
ich mich einigermaßen erholt hatte, fuhren wir zum Supermarkt
und zur
Tankstelle, die Vorräte mussten aufgefüllt werden.
Nach
dem Mittag verließen wir die Stadt in Richtung Osten und nach
ca. 40
Kilometern
auch den Bundesstaat Westaustralien. An der Grenze von Westaustralien
zum
Northern Territory finden, allerdings vor allem bei der Einreise nach
Westaustralien, verschärfte Lebensmittel und Tierkontrollen
statt.
Damit will
man die Ausbreitung von eingeschleppten Tieren und Krankheiten
erschweren.
Wir
büßten bei der Überquerung der Grenze 90
Minuten Zeit ein, hatten dafür
an den
nächsten Tagen aber abends wenigstens entsprechend
länger Tageslicht
zur
Verfügung.
Wir
fuhren entlang des Gregory Nationalparks, sahen wunderschöne
Landschaften mit
herrlichen roten Felsen, am Victoria River oder wohl eher einem seiner
zahlreiche Zuflüsse legten wir eine kurze Rast ein.
Für mehr war leider
keine
Zeit, denn wir wollten so nahe wie möglich an Katherine
herankommen, um
dort
morgen unser Besichtigungsprogramm aufzunehmen. Eine große
Hilfe waren
uns die
hin und wieder am Straßenrand auftauchenden Schilder mit
Entfernungsangaben zum
nächsten Parkplatz mit
Übernachtungsmöglichkeit. So erreichten wir kurz
vor
Einbruch der Dunkelheit einen kleinen Camping-Parkplatz mit Kasse des
Vertrauens. Man nahm sich ein Formular, füllte es aus und warf
es
gemeinsam mit
der Gebühr von 7,70 Dollar in die dafür vorgesehene
Box. Dafür konnte
man sich
einen Stellplatz in der Nähe eines der zahlreich vorhandenen
Picknicktische
suchen. An einem solchen Tisch bauten wir unseren Kocher auf, um uns
etwas
Warmes zuzubereiten, als die Fliegen angriffen. Es war gigantisch und
keines
unserer chemischen Mittel war in der Lage, die Biester abzuhalten. Uns
blieb
nur die Flucht ins Auto und zum Abendbrot Schnitte mit Brot. Jeder Gang
ins
Gebüsch wollte gut überlegt sein
(Sanitäranlagen gab es hier nicht).
Unser
netter Nachbar meinte zwar, dass die Viecher dann bei völliger
Dunkelheit
verschwinden, aber so richtig trauten wir der Sache nicht, zumal
irgendwo ganz
in der Nähe ein Dingo heulte und der Fluss, in dem es bestimmt
Krokodile gab,
auch nur wenige Schritte entfernt war.