Die Umbuchung erwies sich dann auch als goldrichtig. Wir kamen pünktlich zum Beginn des Check-Inn auf dem Flughafen an und hatten dann natürlich noch etwas Zeit bis zum Abflug.
Der Flug verlief problemlos und gut zwei Stunden später landeten wir in Alice Springs.
Nachdem
wir endlich unser Gepäck hatten, stellten wir uns in die
Schlange am
Mietwagenschalter. Hier schien es heute nur schwierige Fälle bzw.
überfordertes
Personal zu geben.
Seltsamerweise traf das nur auf die Firma Hertz zu, hier stand eine
Schlange,
während die Leute der anderen 3 Autovermietungen sich
langweilten. Wir
hatten
unser Auto bei Hertz gebucht, weil die die einzigen waren, die in Alice
Springs
Autos mit Handschaltung vermieteten. Irgendwie hatte ich mir bei der
Buchung in
den Kopf gesetzt, mich hier nicht noch mit der Funktionsweise einer
Automatikschaltung befassen zu wollen.
Als
wir dann endlich an der Reihe waren, gab es plötzlich keine
Autos mehr.
Für uns
hieß das, mit dem Taxi in die Stadt zu fahren und unser Auto
im
Stadtbüro in
Empfang zu nehmen. Kein Problem, in die Stadt wollten wir sowieso,
schließlich
mussten wir uns wieder mit einigen Lebensmittelvorräten
eindecken, und
das Taxi
bezahlte Hertz.
Eine
Viertelstunde später standen wir also im Büro in
Alice Springs, die
Chefin und
der „Lehrling“ waren anwesend. Beim Lehrling
handelte es sich um eine
ungefähr
50jährige Deutsche, die offenbar noch nicht allzulange hier
war. Nun
hätte
alles sehr schnell gehen können, nur leider wollte die Chefin,
dass der
Lehrling englisch mit den Kunden spricht und das war schwierig, nicht
weil mein
englisch nicht ausgereicht hätte, aber der Lehrling
beherrschte
offenbar nicht
die gängigsten Fachbegriffe. Es war ein gewaltiger Krampf, da
wir aber
im
Urlaub waren und auch nicht unbedingt unter Zeitdruck standen,
beschloss ich
aber es von der witzigen Seite zu nehmen. Als dann nach geschlagenen 20
Minuten
endlich alle Daten im Computer waren, kam der Lehrling offensichtlich
auf die
falsche Taste, alles war weg und musste von vorn eingegeben werden. Ich
hätte
am liebsten laut losgelacht, aber damit der guten Frau wohl die letzte
Fassung
geraubt.
Als
wir dann endlich auf den Hof zu unserem Auto gehen konnten, sagte ich
dann
lieber nichts mehr zu der Tatsache, dass wir nun statt der
ausdrücklich
bestellten Handschaltung doch eine Automatik erhalten hatten. Es
handelte sich
um einen nagelneuen Toyota Corolla mit gerademal 20 Kilometern auf dem
Tacho.
Ich studierte noch 5 Minuten die Betriebsanleitung, rangierte aus dem
völlig
zugeparkten engen Hof und hatte die Automatik überraschender
Weise
sofort im
Griff.
Nun
fuhren wir noch schnell zum Supermarkt und machten uns dann auf die
Fahrt zum
Ayers Rock oder politisch korrekt Uluru, wie er in der Sprache der
Aborigines
heisst.
Mit
unserem kleinen Flitzer kamen wir richtig gut vorwärts, es
waren
Geschwindigkeiten um 150 km/h möglich und dank der im Northern
Territory
fehlenden generellen Geschwindigkeitsbegrenzung über
große Strecken
auch
möglich. Nach knapp 2 Stunden waren wir schon am Erldunda
Roadhouse, wo
wir
eine Mittagspause einlegten und eine Emu-Familie beobachteten. Dann
bogen wir
auf den Lasseter Higway in Richtung Uluru ab, hier galt eine
Geschwindigkeitsbegrenzung von 110km/h, was angesichts des
Straßenzustandes
auch angemessen erschien. Vor uns lagen nun noch 244 km.
Nach
ungefähr der Hälfte der Strecke tauchte am Horizont
auf einmal ein
beachtlicher
Berg auf. Da wir bisher davon ausgegangen waren, der Ayers Rock
wäre –
mit
Ausnahme der Olgas- weit und breit der einzige große Berg,
waren wir
ersteinmal
etwas irritiert. Ein Blick in die Karte sagte uns,
daß es sich hier um den Mt. Conner handeln
musste. Größenmäßig durchaus mit
dem Ayers Rock zu vergleichen aber
eindeutig
ein Tafelberg, also geologisch nicht unbedingt verwandt mit dem Ziel
unserer
Reise.
Nach
einem Fotostopp schafften wir auch die letzten gut 100 Kilometer und
kamen
schließlich in Yulara an. Yulara ist eine künstliche
„Stadt“ aus Hotels
verschiedenster Preisklassen und einem kleinen Einkaufszentrum.
Wir
hatten eine Bungalowunterkunft im Outback Pioneer Hotel gebucht. Es
handelte
sich um ein kleines rustikal eingerichtetes Zimmerchen mit 2
Doppelstockbetten.
Für eine Nacht vollkomen ok, ansonsten wohl ein wenig zu eng.
Wir
stellten nur unser Gepäck ab und machten uns auf den Weg zum
Berg,
nocheinmal gut 20 km. Am Park-Eingang mussten wir erst einmal
Tickets kaufen,
immerhin 25 $ pro Erwachsenem, diese galten dann aber auch drei Tage,
sind aber
um Mißbrauch vorzubeugen personengebunden.
Und
dann sahen wir ihn..., auf den ersten Blick vielleicht doch nicht ganz
so groß
wie erwartet, aber wirklich sehr beeindruckend. Wir fuhren als erstes
eine Runde um den
Berg, um uns einen
Gesamteindruck zu verschaffen. Die Strecke, die immer relativ dicht am
Berg
entlangführt - hat immerhin eine Länge von 14 km
– nur um die Größe
etwas zu
verdeutlichen.
Unter
anderem kamen wir natürlich auch an der Stelle vorbei, wo der
Aufstieg
auf den
Berg beginnt. Dieser Aufstieg auf den 863m hohen Berg ist, rein
gesetzlich,
erlaubt und für einen Großteil der Touristen wohl
auch der Hauptgrund
hierher
zu kommen. Für die Aborigines ist der Uluru ein
großes Heiligtum, sie
bitten
also alle Besucher von einer Besteigung Abstand zu nehmen.
Für
viele Leute scheint diese Bitte aber nicht so bedeutend zu sein, denn
entlang
der gespannten Kette zieht sich eine endlose Menschenschlange den Berg
hinauf.
Die Aussicht von oben dürfte nicht so entscheidend sein, denn
was gibt
es
ringsum schon zu sehen? Aber sagen zu können: “Ich
war oben!“ ist
offensichtlich doch vielen Menschen wichtig.
Es
wird auch vor gesundheitlichen Gefahren gewarnt, diese Warnung
dürfte
aber in
erster Linie an die vollkommen bergunerfahrenen Bustouristen gehen, die
ihre
Kondition und die Anstrengung vermutlich tatsächlich nicht
richtig
einschätzen
können. Wer ab und zu einmal zu Fuß in den Bergen
unterwegs ist, sollte
meiner
Meinung nach eher keine Probleme bekommen, denn er weiß, dass
man hier
natürlich nicht in der sengenden Mittagshitze und vielleicht
noch ohne
oder mit
zu wenig Trinkvorrat losstiefelt. Schatten gibt es nämlich auf
der
gesamten Strecke keinen.
Wir
unterließen, nicht nur aus Zeitgründen, die
Besteigung.
Da
bis zum Sonnenuntergang, den wir natürlich unbedingt
miterleben
wollten, noch
ziemlich viel Zeit war, fuhren wir noch ein Stück in Richtung
der
Olgas, um
eventuell auch hier noch ein paar Eindrücke von der
Abendstimmung
mitnehmen zu
können. Leider reichte die Zeit dann doch nicht, so dass wir
umkehrten,
um noch
einen ordentlichen Platz in der Sunset viewing Area zu bekommen, was
uns auch
gelang. Der ohnehin schon sehr rote Fels bekam eine zusehends
intensivere
Färbung, es war ein gewaltiges Schauspiel, nur die vielen
Menschen
ringsum und
die kreisenden Flugzeuge und Hubschrauber störten die Idylle.
Aber ohne
diese
Beigaben wird wohl niemand mehr dieses Schauspiel genießen
können...
Nachdem
die Sonne untergegangen war, kam der riskanteste Teil unserer Reise:
die
Rückfahrt zum Hotel. Riskant weil der Versicherungsschutz
unseres
Mietwagens
-sicherlich aus gutem Grund - nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang
gilt. In
der Stunde vor Sonnenauf- bzw. nach Sonnenuntergang ereignen sich die
meisten
Känguruh-Unfälle, weil das die Zeiten der
größten Aktivitäten dieser
schrecklich unvorsichtigen Tiere sind.
Wir
kamen heil im Hotel an, Känguruhs hatten wir keine gesehen,
allerdings
waren
wir während unserer gesamten Reise auch noch nie in so dichtem
Verkehr
unterwegs.
Im
Hotel probierten wir dann einen Känguruh-Burger. Nicht dass er
schlecht
geschmeckt hätte, aber ziemlich zäh war das Fleisch
schon.
Auch
am nächsten Morgen war nichts mir ausschlafen, denn auch den
Sonnenaufgang wollten
wir
sehen. Auch der war spektakulär wie der Sonnenuntergang, aber
wir waren
noch
hundemüde und es herrschten Temperatutren knapp über
0 Grad. Deshalb
fuhren wir
recht bald zurück ins Hotel, wo es erst einmal einen
ordentlichen
Kaffee gab.
Anschließend
packten wir unsere Sachen und machten uns wieder auf den Weg. Jetzt
wollten wir
noch schnell die Olgas anschauen.
Wie
bereits erwähnt befindet sich diese Felsgruppe nach
australischen
Verhältnissen
gleich neben dem Ayers Rock (ca 40km). Unseren ersten Stop legten wir
an einer
Aussichtsplattform auf halber Strecke ein. Von hier konnte man die
Felsen
überblicken. Anschließend fuhren wir zum Parkplatz
an der Walpet Gorge.
Hier
machten wir einen kurzen Spaziergang zu den Felsen, zu mehr reichte die
Zeit
nicht, außerdem war die Temperatur nun schon wieder am oberen
Rand
unseres
Toleranzbereiches angekommen.
Jetzt
lag noch die Rückfahrt nach Alice Springs vor uns und
irgendwie wollten
die 500
km heute kein rechtes Ende nehmen. Am Erldunda Roadhouse war unser Tank
noch so
voll und der Sprit so teuer, dass ich erst einmal davon ausging, noch
locker
nach Alice Springs zu kommen. Da wir die Fahrerei aber
gründlich satt
hatten,
gab ich ordentlich Gas. Als Belohnung dafür musste ich dann
die letzten
120 km
extrem spritsparend fahren, dazu gehörte auch das Abschalten
der
Klimaanlage.
Wir waren sehr erleichtert, als wir endlich Alice Springs und damit
eine
Tankstelle erreichten.
Am
frühen Nachmittag konnten wir dann unser Hotelzimmer im Aurora
Hotel
beziehen.
Schön war es nicht gerade, der Blick fiel in den Hinterhof und
das
Parkhaus,
aber eigentlich war das egal, denn schließlich wollten wir ja
hier nur
schlafen.
Nachdem
wir uns etwas ausgeruht hatten, machten wir noch einen Shoppingbummel
auf der
Todd Mal, dem Einkaufsboulevard von Alice Springs, der direkt hinter
unserem
Hotel entlangführte. Souvenirladen an Souvenirladen, das
Angebot war im
wesentlichen identisch mit dem, was wir in den letzten Wochen gesehen
hatten.
Eine lokale Spezialität von Alice Springs sind Opale und
dementsprechend gibt
es auch jede Menge Läden, die diese Edelsteine in jeder
Preislage
anbieten.
Also schauten wir uns im ersten besten -also großen- Laden
mal ein
wenig um.
Wenn ich mich allerdings der Hoffnung hingegeben hatte, hier in Ruhe
schauen zu
können – das lässt die
Geschäftsphilosophie dieser Läden nicht zu,
jedenfalls
nicht gleich. Also wurden wir freundlich begrüßt,
gefragt nach dem
Woher und
Wohin und schließlich stellte sich heraus, daß die
nette Verkäuferin
eine
waschechte Berlinerin war, und ihre Freundin und Kollegin, die
allerdings
gerade auf Heimaturlaub war - Dresdnerin. Also erhielten wir einen
ausführlichen
Vortrag über Opalgewinnung und -verarbeitung, die
verschiedenen
Färbungen und
was es mit Doubletten und Tripletts auf sich hat.
Anschließend durften
wir dann
in aller Ruhe schauen und wurden tatsächlich kein Bisschen zu
einem
Kauf
gedrängt. Das war auch gut so, denn bis jetzt war das
Opalfieber bei
uns noch
nicht ausgebrochen.
Nach
dem Abendbrot „erledigte“ ich noch schnell einen Cache in Hotelnähe.
Eigentlich
sollten dort massenhaft Känguruhs rumspringen, die Zeit um den
Sonnenuntergang
herum war auch ideal, aber wahrscheinlich war ich zu laut oder die
Tiere
wollten heute eben nicht.
Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt
hatten, fuhren wir
zum Flughafen, wo wir pünktlich unseren Mietwagen abgaben.
Von
Beginn unserer Reise bis hierher hatten wir genau 7978 km mit dem Auto
zurückgelegt.
Der Check-Inn Schalter öffnete kurz darauf und wir konnten
unser
großes Gepäck abgeben und uns ordentliche
Plätze für den Flug nach
Sydney sichern.
Jetzt hatten wir aber noch fast 3 Stunden Zeit, die auf dem
Flughafen von Alice Springs noch viel schwerer totzuschlagen sind als
auf dem Dresdner.
Also nahmen wir uns das erste Taxi, das vorfuhr und fuhren
damit
zurück in die Stadt. Dort wollten wir im Reptiliencenter all
die
gefährlichen und abenteuerlichen Tiere ansehen, die wir - wohl
zu
unserem Glück - während der ganzen Reise nicht in
freier Wildbahn
gesehen hatten.
Der Taxifahrer war über diese Idee ziemlich
verwundert – Reptiliencenter?!, viel interessanter
wäre doch das
„Flying Doctor“ Museum gleich gegenüber.
„Ja, das schauen wir uns an,
wenn wir mit den Reptilien fertig sind.“ Wir vereinbarten,
dass er uns
dann 12 Uhr vor den Flying Doctors abholt und zurück zum
Flughafen
bringt.
Das Reptiliencenter hatte gerade geöffnet und wir waren fast
die
einzigen Besucher. Die beiden angestellten jungen Frauen
fütterten die
Tiere und reinigten die Terrarien und Gehege. 11 Uhr sollte dann eine
Showfütterung mit Vortag stattfinden. Wir sahen uns in aller
Ruhe um,
am besten gefielen uns die Außengehege mit den Bearded
Dragons -zu
deutsch Bartagamen – und den Thorny Devils (Dornteufeln).
Aber so interessant das Ganze war, bis 11 Uhr würde uns wohl
doch
langweilig werden. Also vereinbarten wir, dass wir zur Show
zurückkehren konnten ohne erneut Eintritt zu zahlen.
Wir
schauten jetzt also mal zu den Flying Doctors. Hier war gerade ein
Reisebus angekommen und dadurch eine lange Schlange an der Kasse
entstanden. Mit dieser Art von Schlange wollten wir uns aber nicht
beschäftigen, also machten wir noch einen kleinen Stadtbummel.
Allzuweit brauchten wir gar nicht gehen, dann kamen wir an einem
Fotogeschäft vorbei. Das Besondere an diesem Laden war sein
Ausstellungsraum. Hier hing alles voller Australienfotos, keine Stadt,
kein Tier, kein Naturwunder was hier nicht vertreten war. Und jedes
dieser Fotos konnte man für einen Dollar kaufen. Wir wanderten
lange an
den Wänden entlang und stellten dann aber selbstbewusst fest,
dass
unsere eigenen Bilder auch ganz schön waren und kauften nur
eine
Handvoll Bilder, die wir selbst nicht hatten machen können, in
erster
Linie Tierbilder.
Nun war es auch schon an der Zeit ins Reptile-Center
zurückzukehren.
Dort war inzwischen doch etwas mehr Betrieb als am Morgen. Im
großen
Ausstellungsraum waren Stühle aufgestellt und bald ging die
Vorführung
los.
Verschiedene
Tiere wurden gezeigt und erläutert, es gab Hinweise zum Umgang
in der
freien Natur usw. Dann wurden zwei Bartagamen auf dem
Fußboden
freigelassen und mit Riesenküchenschaben gefüttert.
Das war schon ein
Schauspiel.
Zum Schluss konnten die verschiedenen Tiere, einschließlich
einer
Python, noch in die Hand genommen werden.
Für uns wurde so langsam die Zeit knapp und als wir
herauskamen,
stand auf der anderen Seite des Platzes vor den Flying Doctors schon
unser Taxi. Im Nu waren wir wieder am Flughafen.
Diese Fahrt
wurde
dann ganz offensichtlich nicht abgerechnet, denn das Taxameter blieb
aus. Gegen Ende der Fahrt kramte der Fahrer dann noch ein paar Brocken
deutsch hervor. Als wir ihn für seine Sprachkentnisse lobten,
verriet
er uns, dass er dafür auch eine gute Lehrerin hatte, die
"berühmte"
deutsche Schauspielerin Saskia Valencia, die wohl mal zu irgendwelchen
Dreharbeiten hier war und sich von ihm chauffieren lies. Wem diese
große Schauspielerin nichts sagt: Gute Zeiten -Schlechte
Zeiten, Mitte
bis Ende der 90er Jahre...
Im Flughafen hatten wir dann noch Zeit zum shoppen und so
ganz langsam begann sich auch das Opal-Fieber bemerkbar zu machen...