Heute sollte es nun richtig losgehen. Also beluden wir unser Fahrzeug und los ging die Fahrt. Zuerst brauchten wir noch einen Supermarkt, um uns mit Lebensmitteln und sonstigen Utensilien auszustatten. Im Zentrum von Perth hatten wir nur Tante-Emma-Läden gefunden, aber etwas außerhalb würde es doch wohl jede Menge „ordentliche“ Supermärkte geben. Ganz so leicht war es dann aber doch nicht. Das erste große Shoppingcenter verfügte nur über einen Möbel- und einen Elektronikmarkt. Erst als wir wirklich schon so gut wie aus Perth heraus zu sein schienen, gab es ein Einkaufszentrum, dass dann aber gleich über mehrere Lebensmittelmärkte verfügte. Also packten wir unseren Einkaufswagen so richtig voll. Der junge Mann an der Kasse schien erst ein wenig zu erschrecken, freute sich dann aber, dass wir Deutsche waren und er seine Deutschkenntnisse mal wieder anwenden konnte. Schließlich rief er uns noch den Packer, der tatsächlich alles wieder im Einkaufswagen verstaute, uns den Wagen über den Parkplatz schob, beim Einpacken half und nicht mal Trinkgeld dafür nehmen wollte.
Jetzt brauchten wir nur noch eine Tankstelle, um unseren zweiten Tank zu füllen. Unser Bushcamper verfügte nämlich über zwei Tanks á 90 Liter, von denen bei der Übergabe nur einer gefüllt war. Am liebsten wären wir an eine Esso-Tankstelle gefahren, da wir dort auf unseren Kassenbon vom Supermarkt 3 Cent/Liter Rabatt bekommen hätten. Schließlich begnügten wir uns mit der ersten besten Tankstelle, sonst hätten wir auf der Suche nach ESSO auch den anderen Tank leergefahren. Der Tankwart war auch recht gesprächig und interessiert an unserer geplanten Route. Ich lernte dabei, dass man Westaustralien nicht nur schriftlich mit WA abkürzt, sondern auch von „Doubbleyu EH“ spricht.
Nun ging es endlich richtig los.
Wir fuhren den Highway 60 in Richtung Norden. Nachdem wir dann Perth und seine Vororte verlassen hatten, wurde der Verkehr immer ruhiger. Nach einer knappen Stunde erreichten wir schon unser erstes Ziel, den Yanchep National Park. Die junge Frau am Einlass freute sich, jemanden zum Plaudern zu haben, nach dem üblichen woher und wohin wunderte sie sich, wie unser Auto schon nach einem Tag so schmutzig sein konnte, es hatte doch gar nicht geregnet. Also erzählte ich ihr von meinem gestrigen Gelände-Training. Diese Idee fand sie interessant und beeindruckend. Schließlich empfahl sie uns noch im Visitor-Center einen Nationalpark-Pass für sämtliche westaustralischen Nationalparks zu kaufen. Die Eintrittspreise in den Parks sind zwar nicht besonders hoch, aber der Pass ist so preisgünstig, dass er sich schon ab dem vierten Nationalpark rechnet. Nun, wir wollten wesentlich mehr als nur vier Parks besuchen, deshalb erstanden wir besagten Pass.
Der
Yanchep-Nationalpark selbst war offensichtlich erst vor kurzem von
einem großen
Buschfeuer heimgesucht worden. Deshalb waren einige Wege und
Straßen
unpassierbar.
Wir
sahen uns das große Koala-Freigehege an, waren aber doch
froh, dass wir
in
Perth im Zoo waren, denn die Koalas hier machten gerade ihren
Vormittagsschlaf
bzw. waren eher träge und nicht willig, vor der Kamera zu
posieren.
Dann
entdeckte Tina, dass wir ebenfalls beobachtet wurden. Im Busch stand
eine
Känguru-Familie, die gebannt auf uns starrte.
Nach
einer kleinen Rundfahrt durch den Park machten wir an einem der
zahlreich
vorhandenen Rastplätze unsere Mittagspause, bei der wir
Gesellschaft
von
interessanten Vögeln erhielten. Kurzzeitig nieselte es etwas.
Auf
einen Besuch der Höhlen im Park verzichteten wir aus
Zeitgründen.
Nun
ging es wieder auf den Highway in Richtung Norden. Die Straße
war gut.
Stellenweise gab es sogar Überholspuren. Leider spielte der
einzige
Roadtrain,
dem wir begegneten, nicht ganz mit. Nachdem wir 20 km hinter ihm
hergefahren
waren und bis zur nächsten
Überholmöglichkeit nur noch 1km auszuhalten
hatten,
bog er plötzlich auf eine unbefestigte Straße ab.
Große
Geschwindigkeitsvorteile erlangten wir dadurch nicht, aber es nervt
einfach, so
eine Riesenkiste vor sich zu
haben.
Nach
einer weiteren Stunde erreichten wir in Lancelin das Ende des Highways
und die
Küste.
Hier machten wir eine kurze Pause und beobachteten einen Kitesurfer, der sich mit seinem Drachen im Wasser vergnügte. Uns war das Zuschauen Vergnügen genug, denn es war recht frisch und der Wind alles andere als angenehm.
Hier
in Lancelin beginnt eine Allrad-Strecke, die entlang der Küste
bis zum
Nambung-National Park (den Pinnacles) führt. Auf dieser
Strecke wollte
ich nun
meine frisch erworbenen Fähigkeiten im Geländefahren
anwenden. Nachdem
wir
endlich den Einstieg in die Piste gefunden hatten, ging es erst einmal
durch
lockeren Sand – ein Element, das bei der Schulung nur in der
Theorie
vorkam –
folgerichtig blieben wir auch bald stecken. Nun konnte ich mein neues
Wissen
anwenden und kam auch schnell wieder frei. Der Weg wurde etwas besser,
sogar
Beschilderung und eine Karte tauchten am Weg auf. Wir hatten ein
militärisches
Sperrgebiet zu umfahren und brauchten nur auf dem Weg zu bleiben,
eigentlich
nicht schwierig. Allerdings mussten wir feststellen, dass mehr als 15
bis 20 km
in der Stunde nicht zu schaffen waren. Es würde knapp werden,
wenn wir
unser
Ziel bis zum Abend noch erreichen wollten. Unterwegs begegnete uns eine
französische Familie, die wie wir hoffte, noch auf dem rechten
Weg zu
sein.
Später kam uns noch eine Militärpatrouille entgegen.
Am Ende der
Umgehungsstrecke für das Sperrgebiet gab es dann sogar eine
Karte und
Wegweiser, das Schlimmste sollte überstanden sein –
dachten wir. Der
Weg jedoch
wurde immer schmaler, die Büsche kratzten links und rechts am
Fahrzeug
entlang,
dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten wollte. Die Hände
brauchten wir
allerdings, um uns bzw. das Lenkrad festzuhalten. Mehrfach musste Elke
aussteigen und rückwärts vor dem Fahrzeug herlaufen
und mir mit Gesten
die
richtige Richtung für die Vorderräder anzeigen. Wenn
wir nämlich mit
den Rädern
in eine der tiefen, vom Regenwasser ausgespülten Rinnen
gekommen wären,
hätten
wir im günstigsten Fall aufgesessen und wären nicht
mehr vor und zurück
gekommen. Wahrscheinlicher aber wären wir umgekippt, was in
dieser
Einsamkeit
schon eine richtige Katastrophe gewesen wäre.
Auf
Grund des extrem schmalen Weges war an Wenden auch nicht zu denken,
denn das
wir noch auf dem richtigen Weg waren, schien äußerst
zweifelhaft. Unser
einziger Trost war das Navigationsgerät, welches zwar diesen
Weg nicht
kannte,
uns aber immerhin anzeigte, dass wir uns dem Ziel, wenn auch langsam,
näherten.Auf
einmal war der Weg zu Ende. Vor uns war eine Ausspülung von
ungefähr
einem Meter Tiefe. Unmöglich dort weiterzufahren. Ich sah uns
schon 20
km mit
2-3 km/h im Rückwärtsgang zurücklegen. Als
wir uns die Umgebung aber
genauer
ansahen, entdeckten wir, dass doch irgendwer vor uns schon hier
entlanggefahren
sein musste. Wenn wir ein Stück zurücksetzten,
konnten wir das Loch
durch die
Büsche umfahren. Um etwaige Lackkratzer scherten wir uns
ohnehin schon
lange
nicht mehr. Wir wollten nur aus dieser Öde entkommen und die
Nacht auf
einem
schönen Campingplatz verbringen. Unsere Nerven waren so
ziemlich am
Ende, als
wir endlich einen einigermaßen befahrbar erscheinenden Weg
erreichten.
Dieser
Weg war aber so steinig und wellig, dass mehr als 5 km/h Wahnsinn
gewesen
wären. Auch bei dieser scheinbar minimalen Geschwindigkeit
tanzten die
Töpfe
und das Geschirr in den Schränken herum und veranstalteten
dabei einen
Höllenlärm. Mit einsetzender Dämmerung
begann es immer wieder in
heftigen
Schauern zu regnen. Außerdem wurden, wie uns
angekündigt worden war,
die
Kängurus aktiv. Also mussten wir jetzt zusätzlich
aufpassen, nicht mit
diesen
Tieren zusammenzustoßen. Zeit und Nerven uns an ihnen zu
erfreuen,
hatten wir beim
besten Willen nicht mehr. Irgendwann tauchte ein Wegweiser auf:
„Grey 8
km;
Nambung National Park 30 km“. Damit war klar, das Tagesziel
war nicht
mehr zu
erreichen. Aber wer oder was Grey auch war, bis dahin wollten wir noch
kommen.
Das
schafften wir auch. Der Ort entpuppte sich als zumindest in der
späten
Abenddämmerung äußerst gespenstisches,
verlassenes Fischerdorf. Etwas
außerhalb
fanden wir dann einen etwas breiteren Sandplatz, auf dem wir stehen
bleiben und
die Nacht verbringen konnten. Wegen des inzwischen heftigen Dauerregens
war
kaum an Aussteigen zu denken. Also machten wir uns etwas Abendbrot und
versuchten uns im Aufbau der Betten. Das gelang uns auch recht gut. Der
Nachtschlaf war allerdings wegen des heftigen Unwetters, welches unser
Fahrzeug
fast pausenlos durchschüttelte, alles andere als erholsam.